Nach zweijähriger Zwangspause war es nun wieder möglich, eine Hauptübung durchzuführen. Bei einer Hauptübung, die üblicherweise einmal im Jahr im Herbst durchgeführt wird, beteiligen sich alle Abteilungen der Gesamtgemeinde Amstetten. Hierbei wird das Zusammenspiel der Einheiten geübt, damit es im Ernstfall sicher, sauber und effektiv abläuft.

Übungsobjekt war dieses Jahr das Kinderhaus Sandrain. Das Gebäude wurde im Laufe der Jahre mehrfach umgebaut und umstrukturiert. Es ist ein zentrales Gebäude der Gemeinde Amstetten und aufgrund der Nutzung des Gebäudes als Kinderhaus, ist es der Feuerwehr wichtig, dort routiniert Rettungseinsätze durchführen zu können. Dies ist nur möglich, wenn dort solche Übungen durchgeführt werden können.

Alarmiert wurde um 9 Uhr zu einem Brandeinsatz, mit dem Hinweis auf vermisste Personen. Ein Monteur hatte im Heizungskeller bei Reparaturarbeiten eine Verpuffung ausgelöst, die sich zum Brand entwickelte. Er selbst wurde unter Gegenständen eingeklemmt und konnte somit den Kellerraum nicht mehr verlassen. Der Hausmeister setzte den Notruf ab und schaffte es, den oberen Stock des Gebäudes zu evakuieren; im unteren Stock konnte aufgrund des brennenden Treppenhauses keine Evakuierung mehr stattfinden. Mehrere Kinder, die sich aufgrund von Schock und ihrer Verletzungen in den unteren Räumen unter Gegenständen versteckten, mussten aufgefunden werden. Als erstes Löschfahrzeug an der Einsatzstelle wurde das Hilfeleistungslöschgruppenfahrzeug (HLF 10) in Stellung gebracht und es wurde sofort mit dem Innenangriff unter Atemschutz zur Menschenrettung begonnen. Die Wasserversorgung wurde zunächst über die Fahrzeugtanks, dann über das Hydrantennetz in der Panoramastraße sichergestellt. Schnell wurde entschieden, dass bei einem Brand dieses Ausmaßes eine zusätzliche Wasserversorgung aus dem Löschwasserbehälter an der Hauptstraße (vor der Pizzeria) aufgebaut werden muss. Bis diese Wasserleitung durch die B10-Fußgängerunterführung und über den Staffelweg in den Sandrain verlegt war und in Betrieb ging, verging keine halbe Stunde nach Alarmierung. Die Plattform in der Mitte des Staffelwegs hat sich als idealer Aufstellplatz einer tragbaren Pumpe erwiesen, die aufgrund des Höhenunterschieds und der Leitungslänge notwendig war. Mit dieser Leitung wurde u.a. das Wenderohr am Drehleiterkorb versorgt, dessen Wasserstrahl weithin sichtbar war. Um zu verhindern, dass der Brand sich nicht auf das westlich benachbarte Gebäude ausweitete, wurden zwei Riegelstellungen aufgebaut. Um diesen Übungseinsatz zu bewältigen, waren alle Löschfahrzeuge der Gesamtgemeinde im Einsatz.

Im Innenangriff waren mehrere Atemschutztrupps gleichzeitig damit beschäftigt, verletzte Kinder aufzufinden und dem Rettungsdienst zu übergeben. Ein weiterer Schwerpunkt der Übung bestand darin unsere neuen Atemschutzgeräteträger zu fordern.  Der stark vernebelte Heizungskeller mit anschließenden Lagerräumen stellte sich als geeignetes Übungsobjekt heraus. Nur wenigen Amstettern ist bekannt, wie viele Räumlichkeiten sich dort unten verbergen. Ohne modere Hilfsmittel wie u.a. Wärmebildkameras ist es kaum möglich, dort schnell und effektiv Personen aufzufinden. Anwesende Gemeinderatsmitglieder konnten sich davon nach der Übung selbst überzeugen. Insgesamt wurden sieben verletzte Kinder gerettet und vom Rettungsdienst versorgt. Der Monteur, in Form unserer 70 kg schweren Übungspuppe, konnte nur noch leblos befreit werden.

Nach dem Abbau folgte eine gemeinsame Nachbesprechung und Begehung nach dem Prinzip „Lessons Learned“. Insgesamt 60 Personen beteiligten sich an der Hauptübung. Bei einem gemeinsamen Mittagessen im Feuerwehrhaus Amstetten, bei wohltuender Herbstsonne, fand die diesjährige Hauptübung ihren Abschluss.

Wir danken allen Teilnehmern, den Zuschauern, den Statisten, der Gemeindeverwaltung, der Jugendfeuerwehr, den Helfern vor Ort, den Mitarbeitern und dem Reinigungspersonal im Kinderhaus Sandrain für ihre Unterstützung bei der Durchführung.

Ihre Freiwillige Feuerwehr Amstetten